Die unsichtbaren Schachteln der Normalität

Aus dem Heft:

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Unsicherheiten und großer Auseinandersetzungen darum, was als „normal“ gelten und anerkannt werden soll. Insbesondere in westlichen Ländern entzünden sich Auseinandersetzungen an den weitreichenden Folgen der Klimakrise und bestehender sozialer Ungleichheit. Sie sind Beispiele für Konfliktfelder, die zunehmend als „Kulturkämpfe“ inszeniert werden und die das Vertrauen in etablierte politische Lösungsansätze untergraben. Positive und transformative Visionen für die Zukunft sind selten; vielmehr dominieren Erzählungen einer vermeintlich alternativlosen „langen Gegenwart“, von der angenommen wird, dass sie, trotz zugegebener und offensichtlicher Unvollkommenheiten, die einzig mögliche oder die beste aller denkbaren Welten sei. Das erinnert an den Philosophen Gottfried Leibniz; aber anders als Leibnitz im 18. Jahrhundert wird die Alternativlosigkeit nicht religiös begründet, sondern mit einer vermeintlichen Logik und Objektivität und durch wissenschaftliche Argumente.

In dieser Situation werden technologische Innovationen häufig als neutrale, rationale und unpolitische Lösungen präsentiert, die Fortschritt versprechen, ohne den Status quo oder soziale Normen, Werte und Machtverhältnisse in Frage zu stellen, auf denen sie beruhen und die sie weiter verfestigten. Technologien sind aber keine passiven Werkzeuge oder objektive Antworten auf gesellschaftliche Probleme. Sie sind, um das Bild der „Schachtel“ in unterschiedlicher Form zu verwenden, doppelt gesellschaftlich verschachtelt. Einerseits sind sie „black boxes“, d.h. ihre technische Komplexität bleibt den meisten unzugänglich und ist nur wenigen Expert*innen verständlich. Anderseits, und das ist die zweite und tiefere, oft übersehene Form von „Verschachtelung“ von Technik und Gesellschaft, sind Technologien immer auch Träger und Ausdruck von Gesellschaftsformen, Werten und Praktiken. In ihnen sind Vorstellungen von Ordnung, Problemlösung und Effizienz eingeschrieben, die nicht zufällig sind, sondern tief in den jeweiligen gesellschaftlichen Normen und Machtstrukturen verankert sind. Diese zweite, implizite Form von Verschachtelung von Technik und Gesellschaft bleibt, insbesondere auch für technische Expert*innen, oft unbemerkt.

Dieser Text widmet sich dieser tieferliegenden Verschachtelung von Technologie und Gesellschaft. Mithilfe des in den Science and Technology Studies (STS) entwickelten Konzepts der „Ko-Produktion“ soll gezeigt werden, dass Technologien nicht „vom Himmel fallen“ oder sich ausschließlich aufgrund einer internen „technischen“ Logik entwickeln. Stattdessen sind sie untrennbar mit sozialen, politischen und kulturellen Prozessen verschachtelt. Das verwendete Beispiel der Atomkraft in Österreich zeigt, wie die scheinbare Alternativlosigkeit dieser Technologie historisch und sozial konstruiert wurde, beginnend mit anfänglicher Euphorie und Propagierung der Atomkraft als alternativlose Zukunftstechnologie. Aus der Kritik an dieser Begeisterung entwickelte sich die Ideeeines „atomfreien Österreichs“, die heute, ähnlich der Neutralität, integraler Bestandteil der nationalen Identität ist, obwohl das Ergebnis der Volksabstimmung des Jahres 1978 denkbar knapp war.

Das Beispiel illustriert, dass das, was eine Gesellschaft als „normal“ empfindet, Ergebnis eines grundsätzlich veränderbaren politischen Prozesses ist. Diese Analyse soll einen Beitrag dazu leisten, die festgefahrenen Debatten um technologische Zukünfte neu zu beleben und eine differenziertere Auseinandersetzung um die Gestaltbarkeit unserer Welt zu ermöglichen.


1. Problemstellung: Alternativlosigkeit als gesellschaftliche Verschachtelung – Der Mythos der technologischen Determiniertheit

In der Debatte um unterschiedliche Formen von technischen Innovationen werden Technologien häufig so verstanden, als folgten sie einem vorgegebenen, unausweichlichen Pfad, als setze sich unweigerlich und quasi von selbst „die beste Technologie“ durch. In dieser Vorstellung eines sogenannten technologischen Determinismus passen sich Gesellschaften technologischen Entwicklungen an. Doch die Geschichte technischer Innovationen widerlegt diese Annahme immer wieder. Wie Wiebe Bijker und Trevor Pinch am Beispiel des Fahrrads1 eindrücklich gezeigt haben, ist der Erfolg oder Misserfolg einer Technologie untrennbar mit sozialen Aushandlungsprozessen, Bedeutungszuschreibungen und den Interessen relevanter sozialer Gruppen verbunden. Dasselbe lässt sich an der Entwicklung des Personal Computers oder des Smartphones beobachten: Ihre heutige Form und Funktionsvielfalt ist nicht allein das Ergebnis sukzessiver technischer Innovationen, sondern ebenso der fortwährenden Aushandlung zwischen Nutzerbedürfnissen, gesellschaftlichen Erwartungen und der Imagination dessen, was diese Geräte leisten können und sollen. Eine Innovation setzt sich nicht aufgrund inhärenter technischer Überlegenheit durch, sondern weil sie in einem komplexen Wechselspiel mit gesellschaftlichen Praktiken und Vorstellungen ko-produziert wird. Die jüngste Pandemie hat dies drastisch vor Augen geführt: Selbst die wirksamste Impfung entfaltet ihre volle Wirkung nicht, wenn Skepsis, Fehlinformationen und fehlendes Vertrauen ihre gesellschaftliche Akzeptanz untergraben.

1Trevor J. Pinch and Wiebe E. Bijker, “The social construction of facts and artefacts: or How the sociology of science and the sociology of technology might benefit each other,” Social studies of science 14, no. 3 (1984): 399-441, https://doi.org/10.1177/030631284014003004.

Technologie als gesellschaftlicher Prozess der „Ko-Produktion“

Technologien sind nicht neutral und fallen nicht vom Himmel. Sie sind vielmehr Ergebnis komplexer sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Prozesse. Diese dynamische Wechselbeziehung von Technik und Gesellschaft wird im Feld der Science and Technology Studies (STS) mit dem Begriff der Ko-Produktion gefasst. Die US-amerikanische Wissenschaftsforscherin Sheila Jasanoff prägte ihn, um die gemeinsame Hervorbringung von natürlicher und sozialer Ordnung zu untersuchen. Im Kern besagt er, dass Wissenschaft und Gesellschaft nicht getrennt, sondern untrennbar miteinander verwoben sind, einander bedingen und stabilisieren.2

2Sheila Jasanoff, States of Knowledge: The Co-production of Science and Social Order (London: Routledge, 2004), https://doi.org/10.4324/9780203413845.

Ko-Produktion vermeidet die einseitige Determinierung von Technologie, sei es durch Natur oder durch Gesellschaft. Es ist ein „selbstbewusstes Bestreben, sowohl sozialen als auch technowissenschaftlichen Determinismus in den STS-Darstellungen der Welt zu vermeiden.3 Das Konzept bietet somit einen neuen Blick auf das Ineinander- Verschachtelt-sein von Wissenschaft und Technologie mit bestehenden sozialen Normen. Jasanoff fasst das prägnant zusammen: „[K]o-Produktion [verdeutlicht], dass die Art und Weise, wie wir die Welt (sowohl die Natur als auch die Gesellschaft) kennen und darstellen, untrennbar mit der Art und Weise verbunden ist, wie wir in ihr leben wollen. Wissen und seine materiellen Verkörperungen sind [somit] gleichzeitig Produkte sozialer Arbeit und konstitutiv für Formen des sozialen Lebens“4.

3Jasanoff, States of Knowledge, S. 20.

4Jasanoff, States of Knowledge, S.2.

Das Konzept der Ko-Produktion beansprucht nicht, wie klassische wissenschaftliche Theorien, die Entwicklung von Technologien vorherzusagen. Dennoch erfüllt es eine entscheidende kritische Funktion, indem es grundlegende Fragen an das Verhältnis von Technik und Gesellschaft richtet. Ko-Produktion wird typischerweise „entlang bestimmter gut dokumentierter Pfade“5 , sichtbar, insbesondere bei der Entstehung von Identitäten, Institutionen, Diskursen und deren Repräsentation. Diese Elemente sind dabei keine statischen Gegebenheiten, sondern werden durch die kontinuierliche Wechselwirkung von Gesellschaft und Technowissenschaft ständig geformt und neu geformt. Martyn Pickersgill nutzt Ko-Produktion, um die Artikulation und Wechselwirkung zwischen Wissenschaft, Ethik und Emotion zu beleuchten,6 während Ruha Benjamin ihn verwendet, um zu zeigen, dass Roboter und Algorithmen nicht neutral sind, sondern Vorurteile reproduzieren können.7 Frahm et al. untersuchen aus der Perspektive der Ko-Produktion, wie Konzepte wie die „verantwortliche Innovation“ (Responsible Innovation), die eigentlich auf eine stärkere gesellschaftliche Teilhabe abzielen, dennoch dazu beitragen können, bestehende Innovationspfade und die damit verbundenen Zwänge im Namen der Gesellschaft zu legitimieren und durchzusetzen.8

5Jasanoff, States of Knowledge, S.38.

6Martyn Pickersgill, „The Co-production of Science, Ethics, and Emotion,“ Science, Technology, & Human Values 37, no. 6 (2012): 579-603, https://doi.org/10.1177/0162243911433057.

7Ruha Benjamin, Race after Technology: Abolitionist Tools for the New Jim Code (Cambridge: Polity, 2019).

8Nora Frahm, Tessa Doezema, and Sebastian Pfotenhauer, „Fixing Technology with Society: The Coproduction of Democratic Deficits and Responsible Innovation at the OECD and the European Commission,“ Science, Technology, & Human Values 47, no. 1 (2022): 174-216, https://doi.org/10.1177/0162243921999100.

Das Phänomen der „Alternativlosigkeit“: Eine Form der gesellschaftlichen Verschachtelung

Der Glaube an „Alternativlosigkeit“ lässt sich als direkte Folge oder Manifestation von Prozessen der Ko-Produktion verstehen. Bei Alternativlosigkeit wird eine Technologie (z.B. fossile Energiegewinnung, Automobilinfrastruktur oder Massenproduktion in der Landwirtschaft) als die einzig logische, effiziente oder „natürliche“ Lösung für ein Problem präsentiert. Alternative Pfade werden unsichtbar gemacht, delegitimiert oder aktiv unterdrückt. Dies kann als eine tiefgreifende Verschachtelung von Technik und Gesellschaft interpretiert werden: Bestimmte technologische Pfade werden so tief in gesellschaftliche Strukturen, Routinen und Denkweisen eingebettet, dass sie kaum noch hinterfragt werden (können). Sie werden zu einer „black box“, die nicht hinterfragbar ist, und deren Inhalt und Aufbau als gegeben angenommen werden.

Diese mangelnde Hinterfragung führt jedoch zu erheblichen, oft systemischen Problemen, die weit über rein technische Herausforderungen hinausgehen. Starres Festhalten an der vermeintlichen Alternativlosigkeit historisch gewachsener Infrastrukturen und technologischer Pfade trägt maßgeblich zu Krisen wie der Klimakrise bei, beeinträchtigt die Gesundheit der Menschen (etwa durch Luftverschmutzung oder Lärm) und verstärkt Ungleichheiten, die den Problemen des gegenwärtigen Kapitalismus immanent sind. So behindert die Fokussierung auf das Auto als primäres Transportmittel die Entwicklung lebenswerter, inklusiver Städte, in denen nicht nur für Fahrzeuge und deren Fahrer*innen Platz ist, sondern auch für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen, Grün- und Freiflächen, die der Klimaanpassung und dem sozialen Austausch dienen.

Selbst bei notwendigen Transformationen, wie dem Übergang zu erneuerbaren Energien, erweist sich scheinbare Alternativlosigkeit als Hürde: So gilt das traditionelle Stromnetz, das auf zentrale, oftmals fossile Großkraftwerke mit wenigen Erzeuger*innen und vielen Verbraucher*innen ausgelegt ist als „normale“ und selbstverständliche Architektur der Infrastruktur. Erneuerbare Energien erfordern ein grundlegend anderes, dezentrales Stromnetz. Eine notwendige Neuausrichtung wird oft als kompliziert, aufwendig oder gar „komisch“ betrachtet, da sie die tief verankerten „alternativlosen“ Denkmuster herausfordert und ihre Umsetzung durch die Trägheit des Status quo behindert wird. Die vermeintliche Alternativlosigkeit ist hier Schutzschild des Status quo, selbst wenn dieser langfristig nicht nachhaltig ist.

Die Frage nach der Wünschbarkeit: Gestaltungsmöglichkeiten und Demokratisierung von Technik

Die derzeitige „lange Gegenwart“ ist keineswegs frei von Problemen; sie ist vielmehr von einer Vielzahl, wenn nicht gar Überforderung in Form einer Permakrise geprägt. Viele drängende Herausforderungen, die von Umweltzerstörung, Klimawandel und Biodiversitätsverlust über zunehmende soziale Ungleichheit und Polarisierung bis hin zu Wirtschaftskrisen und geopolitischen Spannungen reichen, sind untrennbar mit Technologien und damit verbundenen Praktiken verknüpft, die im gesellschaftlichen Diskurs als „alternativlos“ gesehen wurden. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser vermeintlichen Alternativlosigkeit und eine Bereitschaft, sie aufzugeben, ist somit der erste Schritt zur Problemlösung. Es geht nicht um eine Schwarz-Weiß-Betrachtung, sondern vielmehr darum, mehr Möglichkeiten und eine breitere Diskussion darüber zuzulassen, was gesellschaftlich erwünscht ist.

Die Erkenntnis, dass Technologien durch Ko-Produktion von Wissenschaft und Gesellschaft geformt werden, eröffnet nicht nur einen kritischen Blick auf die Vergangenheit, sondern auch die Möglichkeit zur aktiven Gestaltung und Demokratisierung von Technik. Es zeigt sich, dass alternative, möglicherweise wünschenswertere technologische Zukünfte nicht utopisch, sondern erreichbar sind, wenn die gesellschaftlichen Prozesse, die Technologien hervorbringen, bewusst und inklusiv gestaltet werden.


2. Fallstudie: Atomkraft in Österreich – Die Geschichte eines Mythos

Ein Land geht einen anderen Weg

Österreich nimmt in der zivilen Nutzung der Kernenergie international eine einzigartige Stellung ein. Während viele Staaten in den 1960er und 70er Jahren massiv in Atomkraftwerke (AKW) investierten und diese als Schlüssel zur modernen Energieversorgung betrachteten, wählte Österreich einen gänzlich anderen Weg. Trotz erheblicher Vorleistungen, massiver Investitionen und der bereits fertiggestellten Anlage im niederösterreichischen Zwentendorf wurde das erste und einzige AKW des Landes nie in Betrieb genommen. Die Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie in Österreich ist keine Erzählung vom Aufstieg und Fall einer in Betrieb genommenen Technologie, sondern die der Konstruktion, des Kampfes um, und der letztendlichen Dekonstruktion eines Mythos technologischer Alternativlosigkeit, gefolgt von der Neukonstruktion der Idee eines atomfreien Österreichs. Sie illustriert, wie ein als unvermeidlich dargestellter technologischer Pfad durch einen komplexen sozialen und politischen Prozess aufgebrochen und durch eine alternative „Normalität“ ersetzt wurde.

Die Anfangseuphorie: Die „Schachtel“ der Zukunft und des Fortschritts

In der Nachkriegszeit, insbesondere ab den 1960er Jahren, wurde die zivile Nutzung der Kernenergie international und auch in Österreich mit großer Euphorie als Inbegriff des Fortschritts und der scheinbar unbegrenzten Energie für eine wachsende Wirtschaft gefeiert. Sie wurde als „sauber“, „billig“ und „sicher“ propagiert, eine „Schachtel“ technologischer Zukunft, die Wohlstand und Unabhängigkeit versprach. Diese Erzählung wurde von einem breiten Konsens der politischen Eliten, der Industrie und Teilen der Wissenschaft getragen. Großkonzerne wie die Verbundgesellschaftforcierten den Ausbau, und die Politik sah in der Atomenergie eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu reduzieren und Österreich als modernes Industrieland zu positionieren.9

9Florian Bayer, „Die Ablehnung der Kernenergie in Österreich: Ein Anti-Atom-Konsens als Errungenschaft einer sozialen Bewegung?,“ Zeitschrift für Sozialen Fortschritt 3, no. 3 (2014): 170-187.

Diese Argumentation basierte auf einem techno-optimistischen Weltbild, das komplexe Risikobewertungen der Kernenergie in den Hintergrund, und die rein technischen Möglichkeiten in den Vordergrund stellte. Kritiker*innen wurden oft als technikfeindlich oder unwissend abgetan. Peter Weish, ein prominenter Atomkraftgegner der ersten Stunde, erinnert sich an die herablassende Haltung der Atomlobby gegenüber Kritiker*innen: „Noch dazu von so genannten selbsternannten Fachleuten, wie wir damals von den Atomlobbyisten bezeichnet wurden. Damals wurde immer wieder erklärt, diejenigen, die wirklich etwas davon verstehen, die Atomphysiker, die Atomingenieure usw., die wären ja alle dafür. Dagegen sind eigentlich nur die, die Angst aus Unwissenheit haben und die müsse man halt nur aufklären.“10 Diese Ausführungen zeigen, wie versucht wurde, eng gefasste technische Expertise als einzige legitime Wissensform zu etablieren und die gesellschaftliche Debatte in eine „Schachtel“ des reinen technischen Machbaren zu pressen. Kritik wurde zu „Unwissenheit“ umgedeutet, die es zu „bekämpfen“ galt.

 Peter Weish, „Erinnerungen eines ‚Atomgegners’“ 2008, https://homepage.univie.ac.at/peter.weish/schriften/Zwentenbuch-pw-bearbeitet.pdf S. 2.

Der Wendepunkt und der Widerstand: Das Aufbrechen der „Schachtel“

Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Atomkraft stieß in Österreich jedoch auf unerwartet starken Widerstand. Ab Mitte der 1970er Jahre formierte sich eine breite Anti-AKW-Bewegung, die anfänglich kleine Proteste zu einer massenhaften Bewegung wachsen ließ. Diese Bewegung, getragen von Umweltgruppen, Bürger*inneninitiativen und später auch von Teilen der politischen Opposition, stellte die vermeintliche Alternativlosigkeit der Atomkraft vehement in Frage. Sie thematisierte nicht nur technische Risiken (Störfälle im Betrieb, die ungelöste Frage der Lagerung von Atommüll), sondern auch fundamentale Fragen der Demokratie und der Mitbestimmung bei großen Technologieentscheidungen.11

11Ibid.

Der entscheidende Wendepunkt war die Volksabstimmung vom 5. November 1978 über die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf zu dem sich die Regierung unter Bruno Kreisky entschieden hat. Die Kampagne vor dem Referendum war intensiv und spaltete das Land. Die Befürworter*innen betonten weiterhin ökonomische Notwendigkeiten und die technische Sicherheit, während die Gegner*innen auf ungelöste Sicherheitsprobleme, das Restrisiko und die ethischen Fragen verwiesen.12 Das Ergebnis war denkbar knapp: Nur 50,47 Prozent der Abstimmenden stimmten gegen die Inbetriebnahme. Dieses knappe Ergebnis verdeutlicht, dass die „Schachtel“ der vermeintlichen Alternativlosigkeit der Atomkraft nicht durch eine schlagartige Erkenntnis oder breite Einigkeit aufgebrochen wurde, sondern durch einen hart erkämpften, von vielen Unsicherheiten begleiteten politischen Prozess der Aushandlung und Entscheidungsfindung. Es war ein Moment, in dem die gesellschaftliche Dimension der Technologiefrage unwiderruflich sichtbar wurde und die Deutungshoheit der „Fachexpert*innen“ erfolgreich herausgefordert wurde.

 Bayer, „Ablehnung der Kernenergie in Österreich“.

Die Verfestigung des „Neins zu Atomkraft“: Ein „alternativer“ Pfad wird „normal“

Trotz des knappen Ergebnisses, führte die Ablehnung der Inbetriebnahme des AKWs zu einem sofortigen Baustopp in Zwentendorf, zu einem sogenannten „Atomsperrgesetz“ und in der Folge zu einem Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Anti-AKW-Bewegung nach der Volksabstimmung von der Bildfläche verschwunden war und die weitere Ausgestaltung des Atomsperrgesetzes sowie den Verlauf der Auseinandersetzung um die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf nicht mehr wesentlich beeinflussen konnte. Dies unterstreicht die parteipolitische Prägung der folgenden Phase.13

 Bayer, „Ablehnung der Kernenergie in Österreich“.

Das Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 markiert, zusammen mit den daraus resultierenden politischen Positionierungen, das Ende der Kernenergiekontroverse in Österreich und bildet den eigentlichen Anfangspunkt der Mythenbildung um die eigene Geschichte der Kernenergienutzung in diesem Land.14 Während sich die beiden Großparteien und die FPÖ nach März 1985 in der Atomenergiedebatte kaum mehr auf Kosten der Konkurrenz profilieren konnten, bot „nunmehr ein externes Ereignis [Tschernobyl], das eine Neuverortung über die Inszenierung einer besonderen Position der österreichischen Nation ermöglichte“15.

14Herbert Lackner, „Von Seibersdorf bis Zwentendorf. Die ‚friedliche Nutzung der Atomenergie‘ als Leitbild der Energiepolitik in Österreich,“ Blätter für Technikgeschichte 62 (2000): 201-226.

15Bayer, „Ablehnung der Kernenergie in Österreich“, S.183.

Tschernobyl verankerte das „Nein“ zur Atomkraft noch tiefer im kollektiven Bewusstsein und trug maßgeblich dazu bei, dass die Ablehnung dieser Technologie zu einem integralen Bestandteil der österreichischen Identität wurde.16 Über die Jahre wandelte sich die knappe Entscheidung und anfängliche Unsicherheit in einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Dieser alternative Pfad zur „Normalität“, die in einer Energiepolitik ohne Nuklearenergie bestand, wurde nicht allein durch die Anti-AKW-Bewegung geformt, sondern in erheblichem Maße durch den österreichischen Parteien- und Verbändestaat mitgeprägt. Parteien, Sozialpartner und Interessensvertretungen adaptierten und integrierten das „Nein zu Atomkraft“ in ihre Agenden und Positionen. Infrastrukturell bedeutete dies eine Fokussierung auf Wasserkraft und in der Folge auch auf andere Formen erneuerbarer Energie. Die leere Hülle von Zwentendorf wurde zu einem materiellen Symbol dieser Entscheidung, eine „Schachtel“ ohne den ursprünglich vorgesehenen Inhalt, die nun eine Geschichte des Nicht-Ereignisses und der bewussten Abkehr von einem globalen Trend erzählt. So wurde durch eine Kombination aus zivilgesellschaftlichem Druck, Aushandlung im politischen System und prägenden Ereignissen ein neuer und anderer „alternativloser“ Zustand etabliert, der zeigt, dass scheinbare technologische Notwendigkeiten durch soziale Prozesse grundlegend verändert werden können.

16Ulrike Felt, „Keeping Technologies Out: Sociotechnical Imaginaries and the Formation of Austrian National Technopolitical Identity,“ in Dreamscapes of Modernity: Sociotechnical Imaginaries and the Fabrication of Power, ed. Sheila Jasanoff and Sang-Hyun Kim (Chicago: University of Chicago Press, 2015), 103-125.


3. Ko-Produktion und Analyse: Wenn Gesellschaft und Technologie einander gegenseitig formen

Die Geschichte der Atomkraft in Österreich illustriert das Konzept der Ko-Produktion sehr gut, indem sie zeigt, wie wissenschaftliches Wissen, technische Objekte, gesellschaftliche Normen und nationale Identitäten in einem dynamischen Wechselspiel entstehen und einander beeinflussen. Die scheinbare Alternativlosigkeit der Atomkraft war nicht vorgegeben, sondern das Ergebnis kontingenter Prozesse, die durch kollektives politisches Handeln verändert werden konnten.

Wissensproduktion: Narrative im Atomkraft-Diskurs

Der Diskurs um die Atomkraft war in Österreich von konkurrierenden Wissensregimen und Erzählungen geprägt, die sich eng mit gesellschaftlichen Werten und politischen Entscheidungen verknüpft haben. Auf der einen Seite stand die von der Atomlobby und Teilen der etablierten Wissenschaft propagierte Erzählung der technologischen Machbarkeit und Energieunabhängigkeit. Atomkraft wurde darin als die rationale, wissenschaftlich fundierte Lösung für den steigenden Energiebedarf dargestellt. Die „Expertise“ der Atomphysiker und -ingenieure wurde als unanfechtbar inszeniert, alternative Sichtweisen als „Angst aus Unwissenheit“ abgetan oder deren Vertreter*innen als „selbsternannte Fachleute“ diskreditiert.17 Dieses Wissensregime versuchte, die Entscheidung über Atomkraft als rein technische Angelegenheit in eine abgeschlossene, nur für wenige Eingeweihte verständliche „black box“ zu verpacken.

17Peter Weish, „Erinnerungen eines ‚Atomgegners’“ 2008.

Demgegenüber entwickelte die Anti-AKW-Bewegung ein gegenläufiges Wissenssystem. Sie fokussierte auf Sicherheitsrisiken, die Gefahr von Störfällen und das ungelöste Problem des Atommülls, aber auch auf ethische und demokratische Dimensionen großer Technologieprojekte. Wissen wurde nicht nur in wissenschaftlichen Publikationen, sondern auch durch Bürger*innengutachten, Medienkampagnen und öffentlichen Protest produziert und verbreitet. Die Expertise der Kritiker*innen, oft aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen oder der Zivilgesellschaft kommend, wurde legitimiert, indem sie die gesellschaftlichen Kosten und Risiken der Atomkraft in den Vordergrund rückte. Die Aushandlung zwischen unterschiedlichen Wissensansprüchen, technische Machbarkeit versus gesellschaftliche Risiken, ist ein klassisches Beispiel für Ko-Produktion, bei der Wissen und seine materiellen Ausprägungen untrennbar mit den Formen des sozialen Lebens verbunden sind und diese aktiv mitgestalten. Die Debatte um das AKW Zwentendorf war nicht nur ein Kampf um Fakten, sondern auch um die Definition dessen, was als relevantes Wissen zählte und wer als legitimer „Experte“ anerkannt wurde.

Normen und Institutionen: Die Verschiebung des Möglichen

Die Ko-Produktion im österreichischen Atomkraftkonflikt manifestierte sich deutlich in der Entwicklung von Normen und Institutionen. Die ursprüngliche Phase der Anfangseuphorie für AKWs war von institutionellen Arrangements geprägt, die den Bau von Atomkraftwerken begünstigten: Staatliche Energieversorger mit quasi-monopolistischer Stellung, Förderprogramme und ein politischer Konsens, der Atomkraft als notwendigen Bestandteil der nationalen Infrastruktur sah.

Die Volksabstimmung von 1978 war ein Bruch, der die bis dahin etablierten Normen der Technologiepolitik herausforderte. Die Entscheidung, das Volk direkt abstimmen zu lassen, verschob die Legitimationsgrundlage der Technologiepolitik von einem reinen Experten*innen- und Politiker*innenkonsens hin zu einer breiteren gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Auch wenn die Anti-AKW-Bewegung nach dem Referendum von der Bildfläche verschwand und die weitere Ausgestaltung des Atomsperrgesetzes primär parteipolitisch erfolgte,18 zeigte das Referendum, dass politische Entscheidungen (wie das später folgende Atomsperrgesetz) durch zivilgesellschaftlichen Druck erzwungen und verankert werden können. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die die Kernenergienutzung in Österreich untersagen, sind ein direktes Resultat dieses Ko-Produktionsprozesses: Die neue Norm des Nicht-Nutzens wurde rechtlich institutionalisiert.

Auch internationale Aspekte spielten eine Rolle: Der Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 war ein externes Ereignis, das die politischen Normen und Positionen in Österreich neu definierte. Es ermöglichte den Parteien eine „Neuverortung über die Inszenierung einer besonderen Position der österreichischen Nation“19 und festigte das „Nein“ zur Atomkraft institutionell und parteiübergreifend. Grenznahe Atomkraftwerke blieben zwar ein Reibungspunkt in den internationalen Beziehungen, doch im Inneren wurde die österreichische Position zu einer festen institutionellen Norm.

18Bayer, „Ablehnung der Kernenergie in Österreich“.

19Ibid., S.183.

Materielle Artefakte und Infrastruktur: Zwentendorf als „Schachtel“ der Ko-Produktion

Das AKW Zwentendorf ist ein einzigartiges materielles Zeugnis der Ko-Produktion. Als Nicht-in-Betrieb-genommene Infrastruktur ist es eine existierende „Schachtel“ ohne den dafür ursprünglich vorgesehenen „Inhalt“. Das Bauwerk selbst ist das Produkt massiver technischer und finanzieller Anstrengungen, ein greifbares Artefakt der technologischen Machbarkeit. Doch gerade seine Nicht-Inbetriebnahme macht es zu einem mächtigen Symbol. Es verkörpert nicht nur die Vision einer verpassten atomaren Zukunft, sondern auch den Sieg einer gesellschaftlichen Bewegung über eine als alternativlos dargestellte Technologie.

Dieses „Nicht-Material“, das stillgelegte Kraftwerk, prägt die österreichische Identität im Kontext der Atomenergie in paradoxer Weise. Es ist ein monumentaler Beleg für eine Entscheidung, die gegen den globalen Trend getroffen wurde. Zwentendorf ist somit keine neutrale Bauruine, sondern ein materiell gewordenes Narrativ des österreichischen Weges. Es dient als ständige Erinnerung daran, dass technologische Pfade nicht vorbestimmt sind und, dass die Gesellschaft die Fähigkeit hat, über ihre technologische Zukunft zu entscheiden. Die „Schachtel“ Zwentendorf erzählt heute eine andere Geschichte als ursprünglich geplant, eine Geschichte der Kontingenz und der Gestaltungskraft.

Identitäten und Selbstverständnisse: Das „atomkraftfreie Österreich“ als kollektive Identität

Die Debatte und die Entscheidung zur Atomkraft haben die österreichische Identität tiefgreifend geformt. Was einst eine umstrittene politische Frage war, ist heute zentraler Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses: das „atomkraftfreie Österreich“. Diese Identität ist nicht Natur gegeben, sondern wurde durch die genannten Ko-Produktionsprozesse, die Wissenskonflikte, die institutionellen Aushandlungen, die materiellen Symbole, aktiv konstruiert und über Jahrzehnte hinweg gefestigt.Das „atomkraftfreie Österreich“ ist eine neue, tief in der kollektiven Mentalität verankerte „Schachtel“ kollektiver Identität. Sie definiert nicht nur, welche Technologie nicht genutzt wird, sondern auch, was Österreich als Nation auszeichnet: eine besondere Sensibilität für Umweltfragen, ein Bekenntnis zu einer anderen Form von Energiepolitik und möglicherweise auch eine Skepsis gegenüber großtechnologischen Projekten,20 die nicht demokratisch legitimiert sind. Diese Identität trägt dazu bei, die Entscheidung von 1978 und die nachfolgenden Entwicklungen als „richtig“ und „österreichisch“ zu zementieren, selbst wenn der Ausgang der Abstimmung sehr knapp war.

20Felt, „Keeping Technologies Out, 2015.

Hinterfragung der „Alternativlosigkeit“: Die Möglichkeit des „Anders-Seins“

Der Fall des Schicksals der friedlichen Nutzung der Kernenergie in Österreich demonstriert eindrücklich, wie die Ko-Produktion dazu führte, dass die Atomkraft nicht Normalität wurde, während sie in vielen anderen Ländern (temporär) als „alternativlos“ galt und gilt. Die Welt konnte anders sein, und Österreich hat diesen „anderen“ Weg nicht nur gewählt, sondern durch bewusste Ko-Produktionsprozesse auf verschiedenen Ebenen etabliert und in die nationale Identität eingeschrieben. „Alternativlosigkeit“ wurde nicht passiv begegnet, sondern aktiv ein alternativer Pfad ko-produziert.


4. Fazit: Die Möglichkeit des „Anders-Seins“ und die geöffneten Schachteln

Dieser Text hat gezeigt, dass Technologien nicht neutrale, objektive oder gar deterministische Kräfte sind, die sich entlang eines vorgegebenen Pfades entwickeln. Sie sind vielmehr, wie die Analyse mittels des Idioms der Ko-Produktion gezeigt hat, Produkte komplexer und dynamischer Prozesse, in denen sich wissenschaftliches Wissen, technische Artefakte, gesellschaftliche Normen und kollektive Identitäten wechselseitig formen. Die weit verbreitete Vorstellung einer technologischen „Alternativlosigkeit“ ist somit ein tief verankertes, aber nichtsdestotrotz konstruiertes Narrativ, die oft dazu verwendet wird, bestehende Machtverhältnisse und technologische Pfade zu legitimieren und gleichzeitig alternative, potenziell wünschenswertere Entwicklungen unsichtbar zu machen oder zu delegitimieren.

Die Geschichte der zivilen Nutzung der Atomkraft in Österreich ist ein gutes Beispiel für diese Dynamik. Sie ist keine Erzählung eines Scheiterns, sondern ein eindrücklicher Beweis dafür, dass scheinbar unvermeidliche technologische Pfade durch konzertierte soziale, politische Prozesse und aktive Gestaltung verändert werden können. Die anfängliche Euphorie und die Propagierung der Atomkraft als alternativlose Zukunftstechnologie stießen auf den Widerstand einer sich organisierenden Zivilgesellschaft, der letztlich im knappen Ergebnis der Volksabstimmung von 1978 gipfelte. Der Nicht-Betrieb von Zwentendorf und die spätere Konsolidierung des „atomkraftfreien Österreichs“, verstärkt durch das externe Ereignis von Tschernobyl und die aktive parteipolitische Gestaltung, demonstrieren die Macht der Ko-Produktion. Teile der österreichischen Bevölkerung haben nicht passiv ein Schicksal angenommen, sondern aktiv einen „anderen“ Weg angestoßen und als neue Normalität etabliert.

Im Bild der „Schachtel“ lässt sich der Kern dieser Erkenntnis wie folgt zusammenfassen: Technologien und die damit verbundenen gesellschaftlichen Normalitäten werden oft wie fest verschlossene Schachteln präsentiert, deren Inhalt und Bestimmung unveränderlich sind. Doch unsere Analyse hat gezeigt, dass diese Schachteln das Ergebnis menschlicher Interaktion und Entscheidungen sind. Sie können geöffnet, ihr Inhalt neu bewertet und sogar neu befüllt werden. Das Erkennen und kritische Hinterfragen dieser „Schachteln der Normalität“ ist der erste Schritt zur Entmachtung scheinbarer Alternativlosigkeiten. Es ermöglicht uns, die tiefere Verschachtelung von Technologie mit gesellschaftlichen Werten und Praktiken zu erkennen und aktiv darüber nachzudenken, welche Arten von Zukunft wir uns wünschen und wie wir diese gemeinsam gestalten können. Die Beispiele jenseits der Technologie, wie die Euro-Rettung, die COVID-19-Pandemie21 oder Debatten um die Schuldenbremse, verstärken diese Botschaft: Die Grenzen der „Alternativlosigkeit“ sind sozial aushandelbar und verschiebbar, selbst durch Akteure, denen man konservative Haltungen unterstellen mag, wenn es der Neubewertung von Interessen dient.

21Adam Tooze, Shutdown: How Covid Shook the World’s Economy (New York: Viking, 2021).

In einer Zeit, die von Krisen und dem Ringen um positive Zukunftsvisionen geprägt ist, bleibt der Appell zur kritischen Reflexion über Technologie und zur aktiven Gestaltung technologisch-gesellschaftlicher Zukünfte von größter Bedeutung. Die Welt kann auch anders sein. Es liegt in unserer Hand, die „Schachteln“, die uns in vermeintlicher Alternativlosigkeit gefangen halten, bewusst zu öffnen, sie kritisch zu beleuchten, neue Inhalte zu denken und sogar ganz neue Schachteln, neue Formen der Ko-Existenz von Gesellschaft und Technologie, zu schaffen. Dies erfordert eine umfassende Demokratisierung von Technik, die nicht nur die technische Machbarkeit, sondern immer auch die gesellschaftliche Wünschbarkeit und die Verteilung von Risiken und Nutzen in den Mittelpunkt stellt.

Literaturverzeichnis

Benjamin, Ruha. Race after Technology: Abolitionist Tools for the New Jim Code. Cambridge: Polity, 2019.

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Frahm, Nora, Tessa Doezema, and Sebastian Pfotenhauer. „Fixing Technology with Society: The Coproduction of Democratic Deficits and Responsible Innovation at the OECD and the European Commission.“ Science, Technology, & Human Values 47, no. 1 (2022): 174-216. https://doi.org/10.1177/0162243921999100.

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